Archiv für Juli 2010

Polens Präsident heißt Bronis?aw Komorowski

Sonntag, 18. Juli 2010

Amtskollegen: Wulff und  Komorowski, Foto: www.prezydent.pl

Amtskollegen: Wulff und Komorowski, Foto: www.prezydent.pl


Am 4. Juli 2010 setzte sich der liberalkonservative Bronis?aw Komorowski bei der Präsidenten-Stichwahl gegen den national-konservativen Oppositionsführer Jaros?aw Kaczy?ski durch. Mit 53,01 Prozent der Stimmen ist der Sieg knapp ausgefallen. Komorowskis Wahlprogramm und -motto ?Eintracht baut auf? (Zgoda buduje) überzeugte genau 8 933 887 Wähler. Der Gegner – der Vorsitzende der PiS-Partei – bekam dagegen 7 919 134 Stimmen (46,99 Prozent).

Mensch und Politiker

Der neue Präsident ist am 4. Juni 1952 in Oborniki ?l?skie geboren. Er studierte an der Universität Warschau und erlangte 1977 den Magistergrad der Geschichtswissenschaftlichen Fakultät. Im selben Jahr heiratete er Anna Dembowska, mit der er fünf Kinder hat.

Seine Aktivitäten in der Opposition während des Kommunismus gehen auf seine Schulzeit zurück. Er nahm bereits im März 1968 an politischen Manifestationen teil und wurde im Dezember 1971 zum ersten Mal inhaftiert. Im kommunistischen Polen war er im Untergrund als Journalist und Herausgeber tätig und während der Zeit des Kriegsrechts interniert.

Seit 1989 übernahm er verschiedene Positionen im staatlichen Dienst: Er war unter anderem sechsmal Abgeordneter im polnischen Sejm. Von 2000 bis 2001 bekleidete er das Amt des Verteidigungsministers unter Premierminister Jerzy Buzek (heute Präsident des Europäischen Parlaments) und vom 5. November 2007 bis zum 8. Juli 2010 war er Präsident des polnischen Sejms (marsza?ek Sejmu).

Seine Wahl zum Präsidenten Polens

Nach dem Flugzeugabsturz am 10. April 2010 in Smolensk (Russland), bei welchem der amtierende Staatspräsident Lech Kaczy?ski sowie 95 weitere Insassen starben, übernahm Komorowski in seiner Funktion als Präsident des polnischen Parlaments – wie in der polnischen Verfassung vorgesehen – die Amtsgeschäfte des verunglückten Staatsoberhauptes.

Bei den vorgezogenen Präsidentschaftswahlen am 20. Juni 2010 erreichte der Liberalkonservative zwar den höchsten Stimmenanteil aller zehn Kandidaten, verpasste aber mit 41,22 Prozent der Stimmen die notwendige absolute Mehrheit. Erst bei der Stichwahl gegen den Zweitplatzierten Jaros?aw Kaczy?ski, den Zwillingsbruder des verstorbenen Präsidenten, ging er aus einem Kopf-an-Kopf-Rennen erfolgreich hervor. Nach dem Sieg trat Komorowski am 8. Juli 2010 als Präsident des Sejms zurück.

Politisches Programm

Komorowski gehört zum liberal-konservativen Lager. Seit 2001 ist er Mitglied der Bürgerplattform (Platforma Obywatelska) und gehört dem Parteivorstand an. Er ist proeuropäisch und an guten deutsch-polnischen Beziehungen interessiert, was er bereits am 13. Juli 2010 beim Antrittsbesuch des neu gewählten Bundespräsidenten Christian Wulff bekräftigt hat.

Während seines eintägigen Polen-Besuchs lud Wulff seinen Amtskollegen nach Berlin ein. Komorowskis erste Auslandsreise soll nach Brüssel, dann nach Paris und anschließend nach Deutschland führen.

Beide Staatsoberhäupter sprachen sich beim Treffen in Warschau für die Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen den Nachbarländern vor allem im Bereich des Jugendaustauschs aus. Wulff und Komorowski wollen die Schirmherrschaft über das Deutsch-Polnische Jugendwerk übernehmen. Außerdem sind gemeinsame Konferenzen in Krzy?owa im polnischen Niederschlesien zur Europäischen Integration geplant.

Der Wechsel im Präsidentenamt erfolgte fast zeitgleich: Komorowski wird erst im August vereidigt, Christian Wulff ist seit dem 30. Juni 2010 Bundespräsident. Zu diesem Zufall sagte Komorowski: ?Das Schicksal wollte es so?.