Archiv für Mai 2011

Ein Besuch im Stadtmuseum von Breslau

Samstag, 21. Mai 2011

muzeum-miejskie-wroclawia
von Dieter Trodler

Wer nach Breslau kommt – als Besucher, als Tourist ? hat in der Regel einen gefüllten Terminkalender, der kaum Zeit für eigene Unternehmungen lässt. Es gibt aber auch Individualreisende, die in eine der größten Städte Polens, in eine wirtschaftliche und kulturelle Boomregion kommen, und die die Schönheit und den alten Glanz dieser Stadt auf sich wirken lassen wollen.

Denen sei empfohlen, sich neben dem Rathaus, der Innenstadt, dem Nationalmuseum oder dem Schlachtpanorama von Rac?awice (Panorama Rac?awicka) auch das Stadtmuseum in der Nähe der Innenstadt anzusehen. Hier empfängt einem ein städtisches Kleinod – nein, ein museales Ereignis -, das im internationalen Vergleich ein Knaller ist, und das sich durchaus mit Häusern in Berlin, Dresden oder Paris vergleichen lässt.

Baulich handelt es sich um das wiederhergestellte Stadtschloss, das sich Friedrich II. als Residenz bauen ließ. Dieses Stadtschloss war in den Kriegstagen arg beschädigt worden und fristete nach dem provisorischen Aufbau aus dem Schutt der Festungstage ein Überleben als Museum für Archäologie und Ethnografie. Bis zum Jahre 2008 wurde das Haus dann stilvoll restauriert und 2009 als Stadtmuseum eingeweiht.

In den Mauern der ehemaligen Residenz umgibt einen ein Hauch königlichen Flairs. Ein Bau, der wie geschaffen ist für die Darbietung städtischer Sammlungsstücke und städtischer Geschichte.

Die dargestellte museale Welt umschließt die Zeit seit der Stadtgründung im Frühmittelalter bis hin zur Moderne in unterschiedlichen Raumbereichen. Dabei wird auf den interessierenden aber in der Regel fortlaufend ermüdenden Museumsbesucher Rücksicht genommen. Zunächst werden kleinste und kleine Fundstücke und Exponate gezeigt ? die Konzentration ist also gefordert.

Nach einer fast alle Besucher überkommenden Phase der Ermüdung werden größere Einheiten, Möbel, Zimmer, Einrichtungen und später Bilder und Gegenstände aus der jüngeren Geschichte dargeboten. Diese Darstellung garantiert, dass die Spannung erhalten bleibt, weil die Exponate immer größer werden.

Die unterschiedlich dargestellten Perioden werden stilvoll mit leiser Musik aus den jeweiligen Jahrhunderten untermalt ? dies ermöglicht, dass man sich noch besser in die jeweilige Zeit hinein versetzen kann.

Die Exponate werden audio-visuell unterstützt, so dass der Detailinteressierte noch mehr Informationen bekommen kann. Von der Darbietung der Exponate ? ob als anfassbares Original oder in Schaukästen ? über die Beleuchtung bis hin zu architektonischen Schmuckstücken – wie etwa dem Einbau von Glaskonstruktionen in die obere Ebene – scheint beim Bau des Gebäudes an alles gedacht worden zu sein. Sogar die Raumfarben sowie die Farben der verwendeten Stofftapeten passen sich harmonisch in das Gesamtkonzept ein.

Jedenfalls sollte man einen Besuch dieses Hauses bei einem Breslauaufenthalt nicht versäumen.