Archiv für Juli 2013

Lagebericht Nr. 8 und 9

Donnerstag, 25. Juli 2013

von Sabrina Deiter

Lagebericht Nr. 8
—– das Ende rückt immer näher —-
Gestern war ich das letzte Mal beim Training. Monika ist extra noch vorbeigekommen, um ein paar Fotos zu machen. Das war schon schlimm, das letzte Mal mit den Jungs und vor allem mit meinem überaus lustigen polnischen Trainer zu trainieren. Aber sie werden mich vermissen. Ich sie auch…

Die Koffer sind gepackt, hier schneit es und es ist kalt – so wie immer. Noch 1 1/2 Tage, dann wird die Heimreise angetreten, aber zuerst geht es noch nach Breslau… ansonsten gibt es nichts Neues an der polnischen Front.
Ich hoffe, ihr könnt das schöne Wetter in Deutschland genießen…
Passt auf euch auf!

Lagebericht Nr. 9 oder: Die letzten Tage

Heute vor einer Woche ging es dann für mich nach Breslau, um genau zu sein nach Milicz, dort habe ich einen Kollegen besucht, den ich über die Gewerkschaft kennen gelernt habe, bzw. er war der ehemalige polnische Kontaktmann von meiner Gewerkschaft (Deutsch Polizeigewerkschaft DPOlG). Tadek heißt der Gute und ist ein waschechter Pole… also ein Mann der selbst sein Fleisch räuchert und Pilze im Wald sammelt.
Bevor die große Fahrt losgehen konnte, musste ich noch mein Auto vollpacken, mit der tatkräftigen Unterstützung von Monika und Michael ging das auch recht zügig. Von Monikas Nachbarin hab ich mich dann zuerst verabschiedet. Da begann schon das erste kleine Melodrama, drückte sie mir doch zum Abschied einen Teddybär in den Arm. Da standen die Niagarafälle in meinen Augen!
Der restliche Abschied von der Gastfamilie war zum Glück herzlich, eine lange Umarmung und ein “Wir sehen uns wieder und denk dran Sabrinka: Deine polnische Familie wartet hier auf dich!”
Und schon saß ich gegen 12 Uhr in meinem Auto. Laut Navi hatte ich eine knapp fünfstündige Fahrt vor mir… Dank defekten Navi, Staus und Unfällen wurden aus diesen 5 Stunden Fahrt, mal geschmeidige 7 1/2 Stunden. Ich glaube, ich war kurz vor 20 Uhr bei Tadek. Dort wurde ich auch schon erwartet…!

Natürlich gab es erstmal ESSEN! Schnitzel, Hähnchenschenkel, Gurkensalat und noch andere Köstlichkeiten. Beim Abendbrot wurde dann von Tadek auch beschlossen, dass ich erst am Sonntag nach Hause fahren werde. Am Freitag sollte es dann erstmal nach Breslau zur Polizei und am Samstag dann nach Milicz…

Wie gesagt, Freitag ging es nach Breslau. Dort durfte ich zuerst die Leitstelle bzw. die “Meldezentrale” von Breslau besuchen. Es war unglaublich, der Kollege hat in einem Tempo alles erläutert und da war soviel Fachvokabular enthalten, dass ich wie der letzte Esel vor ihm stand und mein Gehirn mal richtig ins Rotieren kam. Tja und dann durfte ich sogar noch Fragen stellen und dann war mal alles zu Ende. Mir ist einfach keine Frage eingefallen… Danach ging es zur Wasserschutzpolizei und ja das war so super! Der Kollege war so cool und hat so leichtes Polnisch gesprochen, dass ich nahezu alles verstanden habe und auch auf seine Fragen antworten konnte! Das Beste: Eine Runde mit dem Boot auf der O?awa, sprich Oder! Der Knaller! Und danach ging es ab nach Hause. Mittag- und Abendessen und dann war der Tag auch schon mal wieder rum.

bild-polnisches-fremdenverkehrsamt

Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt

Am nächsten Tag ging es dann zuerst auf den Markt von Milicz und anschließend zur dortigen Polizeiwache. Es ist immer wieder beeindruckend wie die polnische Polizei mit vollster Technik ausgerüstet ist. Auf jedem Fahrzeug gibt es Laptops, damit die Kollegen direkt selbstständig ihre Abfragen tätigen können und auch ihre Berichte sofort schreiben können. Dann sind wir noch durch Milicz gefahren bzw. in der umliegenden Umgebung, da Milicz nicht nur ein Erholungsgebiet ist, sondern auch über die größte Karpfenzucht Europas verfügt.

Abends ging es dann noch zu Tadeks Bruder. Dort durfte ich dann in Gänze meine Polnischkenntnisse präsentieren. Tadeks Mama, Bruder, inklusive Kinder stellten mir zahlreiche Fragen und waren ganz aus dem Häuschen, dass ich Polnisch lerne und alleine nach Polen mit dem AUTO gekommen bin. Der Abend wurde dann leider durch das tragische Zugunglück überschattet… Betroffen saßen wir vorm Fernseher und verfolgten die Tragödie und die ersten Lageberichte.

Am Sonntag ging es dann in die Heimat. Nachdem mein Navi mal wieder nicht funktionierte und ich einige Kilometer an der deutsch-polnischen Grenze umherirrte, fügte sich doch noch alles zum Guten und ich landete gesund und munter gegen 19 Uhr in Erftstadt.

Und jetzt? Jetzt bin ich schon knappe vier Tage in Deutschland, geh zum Dienst und auch sonst hat die Realität mich wieder. Mein “Tagebuch” wird wahrscheinlich auch von meiner Polnischlehrerin hier in Deutschland auf ihrem Blog veröffentlicht.

Bevor ich aber diese Gruppe schließe und meine Reise gänzlich beende, wird es Zeit

+++++++ DANKE ++++++ zu ++++++ sagen++++

DANKE an all’ die Menschen die ich auf meiner Reise kennenlernen durfte…

Danke an meine Trainer und Trainingspartner, ich kann jetzt ganz schön viele coole neue Schimpfwörter!

Danke an all’ die Menschen die vielleicht nicht ganz so nett zu mir waren, glaubt mir, ich komme wieder und dann kesselts!

Danke an all’ die Menschen, die mir geholfen haben, den richtigen Weg zu finden, mich aus dem Graben gehoben haben oder einfach freundlich gelächelt haben, obwohl sie mich mit meinem gebrochenen Polnisch wahrscheinlich nicht immer ganz verstanden haben.

Danke an meine Lehrerin, die nie an mir verzweifelt ist und sich zusammen mit mir gefreut hat, wenn ich wenigstens einmal pro Unterricht einen grammatikalisch richtigen Satz herausgebracht habe.

Danke an Julia, hey! mit keinem konnte ich so super Polnisch brabbeln wie mit dir! Wir sehen uns wieder – egal wann – egal wie – egal wo – unsere Wege werden sich kreuzen.

Danke an meine Kollegen, die Dienst geschoben haben, während ich im wunderschönen Polen war.

Danke, an all’ die Freunden die sich immer wieder bei mir gemeldet haben, gefragt haben, wie es mir geht und nicht bös’ waren, wenn ich mich vielleicht mal nicht gemeldet habe.

Danke an meine Familie! Schön euch endlich wiedergesehen zu haben! Das nächste Mal wird nicht erst in zehn Jahren sein. Fühlt euch gedrückt!

Danke an Mama und Papa, dass ihr mich zu einem weltoffenen und meist toleranten Menschen erzogen habt und dass ihr mir immer wieder Mut gemacht habt, dass ich POLNISCH sicher irgendwann auch verstehen und sprechen werde.

Danke an Monika und ihre Familie! Danke Monika, dass du immer für mich da warst, wenn ich deine Hilfe benötigt habe! Danke an die Gastmama, die mich nicht verhungern ließ und mich immer zum Lachen brachte, wenn es mal nicht so lief, wie es sein sollte! Danke dafür, dass ihr mir für sieben Wochen ein zu Hause gegeben habt. Und Monika denk dran: Life is not a Ponyhof.

Du?e podzi?kowanie idzie do Moniki i jej rodziny. Dzi?kuj? tobie, Monika, ?e mi zawsze pomog?a?. Dzi?kuj? Mamie Saroma, bo si? zawsze stara?a, ?ebym nie by?a g?odna. Mama Saroma pociesza?a te?, jak nie uk?ada?o si?, jakbym chcia?a.
Dzi?kuj? wam, ?e dali?cie mi przez siedem tygodni dom!!!
Monika remember: Life is not a Ponyhof 🙂

Danke an Euch liebe Leser. Danke, dass ihr nicht müde geworden seid, meinen Berichten zu folgen. Ich hoffe, ihr hattet wenigstens ein bisschen Spaß und seid ein bisschen “mitgereist”!
In diesem Sinne! Alles Gute und…
Passt auf euch auf!