Polnische Möbel erobern Deutschland

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Foto: Magdalena Kuckertz

Wussten Sie schon, dass Sie zu Hause Möbel aus Polen haben? Dies teilte der Hauptverband der deutschen Holzindustrie (HDH) in seiner Pressemitteilung vom 27.08.2014 mit. Laut des Verbandes würde jedes vierte Möbelstück, das heute in einem Wohnzimmer der Bundesrepublik steht, in Polen produziert. Der deutsche Inlandsmarkt werde regelrecht durch Importware zugeschüttet. Ihr Anteil an den in Deutschland verkauften Möbeln liege gegenwärtig bei 58 Prozent, informiert der HDH. Der wichtigste Lieferant der importierten Möbel sei Polen, bestätigt auch ?Der Spiegel? (Nr. 8/2015).

Eigentlich ist das keine Überraschung, denn die polnischen Möbelhersteller haben nach der Wende gelernt, ihre Standortvorteile zu nutzen: Niedrigere Material- und Transportkosten als in Deutschland und vor allem billige Arbeitskräfte. Eine Arbeitsstunde kostete 2013 in Polen ca. 6, in Deutschland dagegen 36 Euro, so ?Der Spiegel?. Dadurch setzen die Polen die deutsche Möbelindustrie seit Jahren unter Druck.

Auch die polnischen Medien, wie eine der bekannteren polnischen Zeitungen, ?Gazeta Wyborcza?, berichteten bereits 2014 darüber: Der Wert der polnischen Möbelindustrie wird gegenwärtig auf ca. 7,2 Milliarden Euro geschätzt. Fast die Hälfte der polnischen Produktion landet auf dem deutschen Markt und hat einen Wert zwischen 1,3 bis 2,5 Milliarden Euro. Hier sind sich die Medien uneinig.

Kein Wunder, dass der deutsche Möbelindustrieverband (VDM) letztes Jahr eine offizielle Beschwerde gegen die polnischen Kollegen bei der Generaldirektion Wettbewerb der Europäischen Kommission eingelegt hat. Ein Dorn im Auge der deutschen Möbelindustrie seien die EU-Beihilfen für den Kauf oder die Modernisierung von technischen Anlagen zur Herstellung von Kastenmöbeln im Rahmen des Europäischen Strukturfonds, die die Polen erhalten, informiert der Hauptverband der deutschen Holzindustrie.
Die Subventionen für Polen hätten dazu beigetragen, dass sich die Importmenge polnischer Schlafzimmer in Deutschland zwischen 2008 und 2013 verdoppelt habe, so HDH.

Fakt ist, dass die EU-Gelder den polnischen Möbelherstellern helfen, ihre Fabriken zu modernisieren, moderne neue zu bauen und dadurch qualitativ gut und schnell die Aufträge zu realisieren. Auch aus Deutschland. Nur weiß der deutsche Kunde nichts davon. Denn die polnischen Möbel werden nicht unter eigenen Markennamen verkauft. Viele polnische Möbelbauer stellen ihre Produkte als Auftragsarbeit für andere Möbelhersteller wie z. B. IKEA her oder die polnischen Möbel werden unter dem Markennamen des deutschen Distributors verkauft.

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