Justyna Polanska: von Putz- zur Geschäftsfrau

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Foto: M. Kuckertz
So, jetzt bin ich Expertin. Ich habe zwei Bücher von Justyna Polanska gelesen. Das erste ?Unter deutschen Betten. Eine polnische Putzfrau packt aus? in der polnischen Übersetzung. Das zweite ?Nicht ganz sauber. Eine polnische Putzfrau räumt auf?, diesmal auf Deutsch. Ich muss sagen, es handelt sich hier um keine Weltliteratur, eher eine leichte Lektüre, die jedoch den Leser sofort packt.

Beide Bücher sind meines Erachtens gut geschrieben und interessant aufgebaut. Hut ab! Hier waren Profis am Werk. Die Titel ziehen an und versprechen Enthüllungsliteratur. Das stimmt, es werden einige spektakuläre Fälle aus dem Leben einer Putzfrau beschrieben, aber – wie ein deutscher Bekannter resümierte – so spektakulär seien sie wiederum auch nicht, dass man sie an die große Glocke hängen müsse. ?Alle wissen, dass auch in Deutschland, genauso wie anderswo, komische Leute leben und ohne Sprachkenntnisse ist man ja ein wenig selber schuld, oder?? – war sein Kommentar, nachdem er das erste Buch regelrecht verschlungen hatte.

Reaktionen auf das Buch

An dieser Stelle muss ich verraten, dass ich selbst Polin bin und die Bücher aus meiner polnischen Perspektive gelesen habe. Dazu aber später. Was mich vor allem interessiert hat war das Thema und das Echo nach dem Erscheinen des ersten Buches. Es provozierte eine wirklich laute Reaktion der Medien auf die prekären Verhältnisse, in denen Menschen leben, die, verursacht durch die schwierige wirtschaftliche Situation auf dem deutschen Arbeitmarkt oder im Glauben, keine andere Lösung zu haben, schwarzarbeiten. Um sich übers Wasser zu halten, gehen sie unangemeldet einer Tätigkeit nach und werden nicht selten von ihrem Arbeitsgeber übers Ohr gehauen.

Das Buch hat hohe Wellen geschlagen und auch Veränderungen bewirkt. So gab die polnische Autorin den Anstoß für den Bericht von Marion Mück-Raab, den man immer noch in der ZDF-Mediathek unter folgender Adresse finden kann:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1583422/Unter-deutschen-Betten#/beitrag/video/1583422/Unter-deutschen-Betten

Im Bericht informiert die Journalistin, dass durchaus auch schwarzarbeitende Menschen sich wehren können, wenn sie um ihren Lohn geprellt werden und nicht aufgeben müssen, wie Frau Polanska es in den ersten Jahren ihres Aufenthaltes in Deutschland getan hat. Verdi Frankfurt bietet in solchen Fällen Beratung an. Die Gewerkschaft hat eine Initiative mit dem Namen MigrAr (http://migrar-ffm.de) ins Leben gerufen, die in sechs Anlaufstellen in Deutschland Migranten in prekären Arbeitsverhältnissen, egal ob mit oder ohne Papiere, helfen. Wenn Bürger mit Migrationshintergrund nicht weiter wissen und ihnen als allerletzte Möglichkeit bleibt, vor Gericht zu gehen, um ihr Geld zu bekommen, können sie sich durch die Initiative MigrAr vertreten lassen und die Konfrontation mit dem früheren Arbeitgeber vermeiden, so der Bericht. Es entzieht sich meines Wissens, ob MigrAr vor dem Buch oder als dessen Folge gegründet wurde. Für mich ist ausschlaggebend, dass ich dank des Buches davon erfahren habe und jetzt mir bekannten Betroffenen davon berichten kann.

Die Geschichte einer Putzfrau oder eher einer Geschäftsfrau?

Die zwei Bücher stellen eine Art Fortsetzungsroman dar. Im ersten Teil berichtet Frau Polanska über ihre ersten Jahre in Deutschland, über Höhen und Tiefen als Au-pair-Mädchen und später als Putzfrau. ?Unter deutschen Betten? liest sich wie ein modernes Märchen über ein sehr, aber wirklich sehr naives Aschenputtel, das ohne Sprachkenntnisse und schlecht vorbereitet nach Deutschland kommt und auf ihr Glück hofft. Nach vielen Abenteuern und Erniedrigungen findet sie ihren Prinzen, einen schönen Italiener, und heiratet ihn. Das Happy End wird der Realität angepasst. Das Aschenputtel putzt weiter, um Geld zu verdienen, aber es hat sich weiterentwickelt. Aus einem schüchternen Mädchen wird eine selbstbewusste und sehr emanzipierte Frau, die um Annerkennung ihrer Person und ihres Berufes kämpft.

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Foto: M. Kuckertz

?Nicht ganz sauber? berichtet dagegen über das weitere Schicksal von Frau Polanska, nachdem sie durch ihr Buch berühmt geworden ist. Sie hat ordentlich Staub aufgewirbelt und dadurch das Interesse der Öffentlichkeit auf sich gezogen. Sie gibt jetzt Interviews, tritt im Fernsehen auf und erzählt weiter ihre Geschichte. Aus einer Putzfrau wird eine richtige Geschäftsfrau, die einen Agenten braucht und sich rechtlichen Beistand holt. Und vor allem nicht mehr schwarzputzt. Sie hat sich selbstständig gemacht, ist jetzt ein Ein-Personen-Unternehmen und bietet eine Dienstleistung an. Eine Erfolgsgeschichte eben!

Und hier fällt mir noch etwas ein. Ich habe in Deutschland viele Putzfrauen wie Frau Polanska kennen gelernt, die in ihrem Heimatland sogar studiert haben. Aber weil ihre Zeugnisse in Deutschland nicht anerkannt wurden und die Sprachkenntnisse immer noch viel zu wünschen lassen, arbeiten sie heute als Reinigungskräfte. Schaut Euch bitte diese Internetseite an: www.anerkennung-in-deutschland.de. Am 1. April 2012 ist in Deutschland ein neues Gesetz in Kraft getreten, das allen Migranten unabhängig vom Herkunftsland die Möglichkeit verschafft, ihre Zeugnisse und ihren Beruf anerkennen zu lassen. Der Weg ist also frei und es steht Euch nichts mehr im Wege, nach neuen Perspektiven zu suchen, falls putzen nicht Euer Traumberuf ist.

Typisch polnisch

Die Autorin ist Polin, nutzt ihre Herkunft bewusst und spielt mit Klischees, die man mit Polen verbindet. Sie würden klauen, seien nicht gut angezogen, tränken viel Wodka und hielten zusammen als Sippe. Auch ihr Pseudonym soll bestimmte Assoziationen wecken. Frau Polanska kontert bewusst und hält den Deutschen einen Spiegel vor.

Diese Geschichte hätte aber genauso eine Frau mit einem anderen Migrationshintergrund schreiben können. Der Erfolg wäre ähnlich. Das Thema Schwarzarbeit und vor allem Integration ist spätestens nach dem Buch von Herrn Sarrazin in aller Munde. Außerdem finden spektakulär gefärbte Geschichten über Deutsche, die eine Ausländerin auf Deutsch geschrieben hat, immer ihre Abnehmer im In- und Ausland.

Meine Sicht der Dinge

Für mich ist im ersten Buch der naive Glaube, dass man auch ohne eine gute Vorbereitung in einem fremden Land gut klarkommen kann, typisch polnisch. Ich lese in der polnischen Presse oder sehe immer wieder im Fernsehen Berichte über Polen, die ohne irgendeine Absicherung, ohne Sprachkenntnisse und ohne einen Arbeitsvertrag zu haben, in die große Welt aufbrechen und sich sehr wundern, dass sie nicht verstanden, ausgebeutet und ausgelacht werden. Unsere nationale Eigenschaft ist nämlich: Machen und erst danach denken, wenn es zu spät ist. Aber Stopp: Wäre Frau Polanska nicht typisch polnisch vorgegangen, hätten wir ja die Geschichte nicht!

Ich finde gut, dass die Autorin Partei für Beschäftigte in deutschen Haushalten ergreift und für deren Anerkennung kämpft. Was mich im zweiten Buch jedoch genervt hat, waren ihre manchmal zu freche Kommentare. Zugegeben: Ein Enthüllungsbuch braucht eine aggressive Sprache, sonst verkauft sich nicht gut. Das nennt man Strategie.

Mögliche Fortsetzung

Die letzten Seiten von ?Nicht ganz sauber? sind eine Ankündigung eines Nachspiels. ?Unter deutschen Betten? von Frau Polanska wird verfilmt! Meine Recherchen im Internet haben ergeben, dass sich die deutsche Schauspielerin und Produzentin Veronica Ferres die Filmrechte gesichert hat. Frau Polanska hat also noch nicht das letzte Wort gesagt. Ich hätte auch nichts Anderes erwartet.

Und wenn Sie die Bücher immer noch nicht gelesen haben und sich weiterhin fragen, ob sich die Lektüre lohnt, sage ich: ja. Sie wollen doch mitdiskutieren können, oder?

1 Kommentar zu „Justyna Polanska: von Putz- zur Geschäftsfrau“

  1. Oberschlesier says:

    ?Justyna Polanska? alias Holger Schlageter

    Der Autor, Holger Schlageter, der unter dem Pseudonym ?Justyna Polanska?, siehe z.B. Wikipedia, seine ?Putzfrauengeschichten? verbreitet, zählt wohl zu den naiven, jungen, links-grünen Pseudointellektuellen dieser geschundenen Republik.

    Er missbraucht den Namen einer fiktiven, polnischen Putzfrau aus Breslau (heute Wroc?aw), um auf angebliche Missstände der ausländischen Reinigungskräfte in der Bundesrepublik hinzuweisen. Dabei entlarvt er sich doch selbst indem er den edlen, aufklärerischen Gutmenschen mimt und einen auf ?Saubermann? macht.

    Er hätte sich bestimmt auch einen anderen ausländischen Pseudonym zulegen können, aber mit einem polnischen Pseudonym lässt es sich besser ?literarische? Karriere machen, zumal ?polnische Witze? sich längst unter den linken Pseudointellektuellen etabliert haben, beispielsweise bei Harald Schmidt und Co…

    Selbst das ZDF; SWR und viele andere unterstützten neuerdings solche Schmähschriften, das ist aber nicht verwunderlich, denn solche links-grünen Tendenzen hat der Autor, Akif Pirinçci in seinem hervorragenden Buch, ?Deutschland von Sinnen? vortrefflich entlarvt.

    Anmerkung: In seinem dritten ?Putzfrauenbuch? sollte der Autor mal die Situation ausländischer Reinigungskräfte in Katar, Saudi Arabien, etc. beleuchten, aber da wäre wohl politisch inkorrekt…

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